Die erste große, thematisch zusammenhängende Werkserie von Plastiken, Steinskulpturen und Objekten im Oeuvre von Michael Kos wurde ca. ab 1991 angelegt und in den Ausstellungen "Atemschiff und Ohrenschlitten", "Weltempfänger" und "Versuch von Lichtung" (siehe Biografie) zusammengefasst.
Die Marmorskulpturen, die Gips- bzw. Bronzearbeiten, aber auch die Instrument-Objekte und generative Fotoarbeiten dieses Zeitraums entspringen einer phänomenologischen Auseinandersetzung mit Wachstumsprozessen. Ähnlich wie für viele Bildhauer der neueren Moderne (exemplarisch F. X. Ölzant) stehen hier auch für Michael Kos die Makro-Fotografien Karl Blossfeldts und Goethes naturwissenschaftliche Abhandlungen über die Urpflanze Pate.
Die Metamorphose von Energiezuständen, der organische Ablauf von Polaritäten wie Systole und Diastole und deren selbsthervorbringender Entwicklungsrhythmus bilden den Stoff für die pflanzlich-animalischen Abstrahierungen von Kos' früheren Plastiken.
Grundformen der Wiederkehr - wie Füllhorn und Lemniskate - korrespondieren mit polaren Grundstrukturen wie Evolution/Devolution, Keimen/Welken, Zentrum/Peripherie oder Öffnung/Verschluss. Deshalb fügen sich auch die Objekte mit narrativerem Charakter, die mit Teilen von Musikinstrumenten kombiniert sind oder deren Baukörper in Stein und Holz übertragen, in diesen unversalistischen Ansatz ein, der den Hintergrund der formalen Auseinandersetzung des Frühwerks bildet.