ZUM GELD UND ZUM GANZEN
(Ausschnitt des Essays aus dem Katalog "TransSubstanz" , 2003)
Insofern vorzugsweise hierarchische Strukturen
Gerechtigkeit durch Willkür unterlaufen, hat sich jede
Idee eines dem freien Menschen gemäßen
Rechtslebens der Verhinderung von Machtanhäufung
gewidmet. Beispielhaft dafür war Montesquieus
Gewaltenteilung, die eine Trennung demokratischer
Staatsmacht in Legislative, Judikative und Exekutive
nach sich zog (und heute noch brisante Gültigkeit hat,
wenn man z.B. an das Problem der Verurteilung islamistischer
Attentäter durch das amerikanische Militär denkt).
Macht ist die soziale Bezugsgröße der Egalité. Die
Forderung nach Gleichheit strebt nach der
Aufhebung von Ungleichgewichten innerhalb der "Politeia". Die Sinnhaftigkeit der Egalité ergibt sich
nämlich nur unter dem Gesichtspunkt der
Verhältnismäßigkeit von Individuen (und nicht etwa bei
einem kuriosen Gesetz zur Abtragung von verschieden
hohen Kirchtürmen, wie es die Protagonisten der
Französchischen Revolution erlassen haben, und das sich als
genauso unsinnig erwiesen hat wie jedes sozialistische
Gleichheitsverdikt im Wirtschaftsleben).
D.h. es geht im Recht - und, da Geld Recht ist, auch
beim Geld - konkret um das Abwägen von verschiedenen
Lebensverhältnissen.
Im Wirtschaftsleben gipfelt dieses Gleichgewichtsproblem
in der Frage nach dem gerechten Preis.
Dieser ist quasi der "Goldene Schnitt" in der sozialen
Perspektive.
Im volkswirtschaftlichen Verständnis meint Gleichgewicht
den Ausgleich von Produktion und
Konsumtion. In
der Selbstversorgungswirtschaft braucht es weder
Tausch noch Geld. Jener magische Moment der
Tauschwirtschaft, bei dem sich die Wertproduzenten
gegenüberstanden und über den gemeinsamen
Vorteil des Wert-Austausches reflektierten (Handel
und die Hand, die man sich bei Handelseinigkeit gibt, sind
nicht von ungefähr gleichen etymologischen Ursprungs), ist
durch das Medium Geld ins abstrakte Niemandsland
einer Streuung von Möglichkeiten gerückt. Zu leicht
verschleiert wird hierbei der wichtige Tatbestand,
daß Geld als Mittel kein halbierter Wert, sondern ein
halbierter Tausch ist!
©Michael Kos
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