WIRKLICHKEITEN
Die Präsentation von Kunst auf der Piste, der Verzicht auf die schützende Umgebung von renommierten Galerieen, feudalen Stadtpalästen, ländlichen Herrensitzen, Klöstern und anderen ausstellungsgerechten Etablissements, auch der Verzicht auf den Dialog mit fachgelehrten Köpfen geben dem Symposiumsgedanken und dem Arbeiten in der freien Natur eine neue Dimension: Wertvoller Gedankenaustausch, überraschende Anstöße und Anregungen, Zustimmung und Ablehnung erreichen eine Öffentlichkeit, die in den traditionellen Normen von Kunstvermittlung noch nie berührt wurde.
Die Verlagerung des hergebrachten Kunstbegriffes in mentale Räume und seine großzügige Erweiterung ermöglichten unmittelbare Verknüpfungen zu symbolischen, kulturellen, historischen, mythischen Bezügen. Dieses Phänomen betrifft seit geraumer Zeit,- an Joseph Beuys und die arte povera sei zum Beispiel gedacht,- eine ernste Auseinandersetzung mit einem gestörten Natur-Menschverhältnis, die Suche nach symbolischen Modellen und der vitalen Erneuerung gestörter Beziehungen. Das bedeutet den sensiblen Umgang mit der Natur, den Schutz der Natur, die Bewahrung der Schöpfung, die gerechte Verteilung der Güter, das neue Überdenken existenzieller Lebensbereiche und Lebensprozesse, die das Dasein, Leben und Sterben umfassen. Es geht um Alternativen zur technologischen, rationalistischen Denkart der modernen Zivilisation, um Verweise auf die seit den 70er Jahren rasant fortschreitende Zerstörung von Natur und Umwelt, um das Bedürfnis nach Geborgenheit, Orientierung und Sinn.
Auf diesem spannenden Feld bewegen sich die Konzepte zu den Arbeiten des heurigen Symposiums in der Schmitten. Es sind dialogische Skulpturen aus der suggestiven Kraft der Pinzgauer Fichte ohne den Anspruch der Festlegung auf ein soziologisches oder politisches Programm, Entwürfe zu einer friedvollen Symbiose von Konstruieren, Erhalten, Produzieren und Verwandeln, Zeichen existenzieller Grunderfahrungen, Anregungen zu stiller Meditation und ruhiger Versenkung, Appelle an das gute Gewissen, Denk-Male der Wachsamkeit, des kritischen Engagements und der Zivilcourage, ironische Bemerkungen zur Ersatznatur, Prozesse des Zerfalls und der Integration, es geht um die Kunst als eine Form des besseren Daseins, als Parallele zu unserem Leben.
Richard Hirschbäck