nicht realisiertes Projekt

"Holy Wood "

2004, Landmark-Projekt für Weissenstein an der Drau / Kärnten (Technik: 15 m hohe Blechbuchstaben)

HOLY WOOD

künstlerisches Konzept

HOLY WOOD ist ein Projekt der bildenden Kunst (visual arts), nicht der Literatur. Der Ausgangspunkt ist zwar eine kleine Sprachzergliederung des weltbekannten Schriftzuges, ist ein Spiel mit Bedeutung und kollektiver Wahrnehmung. Dennoch betreibe ich damit weniger ein Sprachspiel als ein Bildspiel, denn der originale Schriftzug gehört längst zu den Sehenswürdigkeiten, nicht zu den Denkwürdigkeiten.

HOLY WOOD setzt nun den Hollywood-Schriftzug wortwörtlichst auseinander, indem zwar nur ein Buchstaben weggelassen und damit ein Zwischenraum erzeugt, aber die Bedeutung und der Kontext völlig verändert wird. Gleichzeitig bleibt die deutliche Referenz auf die Bildmagie des bekannten Schriftzuges außer Zweifel, denn natürlich will ich bei diesem Landmark-Projekt die Kraft des kollektiv gewordenen Superzeichens nutzen. Darin besteht ja ein guter Teil des Bedeutungsspiels.

Der HOLY WOOD - Schriftzug würde auf dem großen Felsen über der Ortschaft Weissenstein auf den ersten Blick wie ein Remake des berühmten Schriftzuges wirken, quasi zum Verwechseln ähnlich, auf den zweiten Blick aber seine Irritation und Neuinterpretation zeigen.

Diese steht im engen Zusammenhang mit dem Ort, an dem der HOLY WOOD - Schriftzug angebracht ist.

Das Thema heißt Wald (wood, engl.: Wald, Waldung, Berg, Gehölz, Holz...) und ist sichtbar eingewoben in dieses Projekt, da der Felsen über Weissenstein und der ganze Berg dahinter von großen Waldflächen dominiert wird.

Der Wald wird so mittels der monumentalen (siehe unten, monere) Bedeutungsebene des Schriftzuges bedacht und somit zum holy wood, zum heiligen Wald:
Wald als mythologischer Raum
Wood als unberührte, scheue Sphäre
Wald als biologischer Lebensraum
Wood als Sauerstoff- und Lebensspender
Wald als Material- und Wirtschaftsträger
Wood als sozialer Faktor

(über-) regionale Einbindung

Weithin sichtbar (von Autobahn, Bundes- und Landstraße und von der Eisenbahn aus) könnte der HOLY WOOD - Schriftzug für die Gemeinde Weissenstein eine künstlerische Signalarbeit mit extrem hohem Merkfaktor sein.

Das gesamte Drautal hätte mit HOLY WOOD einen unübersehbaren „Eye-Catcher".
Einerseits wäre damit eine breite Öffentlichkeitswirkung verbunden, die sicher auch ins Überregionale austrahlen würde.
Andererseits könnte sich Weissenstein dadurch weiter als Kunstort profilieren.

Die gerade realisierte Skulpturenstraße durchs Krastal ist ja als Anfang einer Öffnung zu sehen, die der Gemeinde neben ihrer Bedeutung als Industriestandort eine weitere Identifikation zukommen läßt, mit der auch neue Impulse gesetzt werden können.

Weitere Kunstprojekte vor Ort wären natürlich wünschenswert. Ich denke, daß die Akzeptanz dafür vorhanden ist, weil mittlerweile auch der Kulturtourismus zu einer fixen Größe des Fremdenverkehrsmarketings geworden ist.

philosophisches Konzept

„Wer schreibt, muß vorher nachgedacht haben. Schreiben ist nicht nur eine nachdenkliche, nach innen gewandte Geste, es ist auch eine ausdrückliche, nach außen gewandte (politische) Geste. Es ist beim Schriftbewußtsein von einem historischen Bewußtsein zu sprechen."

Diese Sätze aus Vilém Flussers Buch „Die Schrift" mögen als Einleitung zu ein paar Gedanken über das Projekt HOLY WOOD dienen.
Die Verschränkung zwischen Schrift und bildender Kunst ist nicht nur eine zeitgenössische Variante, sondern liegt auch in derem gemeinsamen Ursprung. Die Schriften der Welt gehen auf Bilder zurück, sie haben sich von ersten Zeichnungen (Höhlenmalereien) über piktogrammatische Strukturen (wie bei den ägyptischen Hieroglyphen) zu abstrakten (Informations-) Zeichen entwickelt. Das prähistorische Denken war ein magisches, das langsam zu einem zeilenförmigen, geschichtlichen Denken wurde und aus Vorstellungen Begriffe machte.
Flusser beschreibt in den ersten Kapiteln seines Buches die unterschiedlichen Funktionen von Inschrift und Aufschrift. Erstere hat monumentalen (monere = bedenken) Charakter, zweitere dokumentarischen (docere = belehren). Wobei er Inschriften als mühselig, langsam und darum bedächtig erzeugte Schriften bezeichnet, die auch nicht schnell gelesen werden wollen. Heutige Inschriften sind meist nur im technischen Sinn Aufschriften, entscheidend für die Kennzeichnung von Inschriften ist grundsätzlich , daß sie nicht auf Texte aus sind, sondern auf Kontexte. Das ist bei dem berühmt gewordenen Hollywood-Schriftzug der Fall, noch mehr aber bei dem HOLY WOOD -Schriftzug, der ja auch den ersteren in seinen Kontext hereinnimmt. Das minimale Spiel mit einem Buchstaben (vom germanischen Buchenstab) ist ein raffinierter Eingriff in eine weltbekannte Inschrift, die je berühmter sie geworden, umso mehr von einem Schriftcode wiederum zu einem Bildercode geworden ist. Deswegen ist sie auch so häufig in Filmen und auf Fotos zu sehen. Durch die Prägnanz ihres Bildercodes wird sie aber auch interessant für eine visuelle, d.h. bildnerische Auseinandersetzung und damit zu einem Gegenstand der Kunst, im konkreten Fall zu einem Landmark-Projekt.